Dienstag, 30. März 2010

Will Future hat heute in der Mensa am Park einen Freund kennengelernt. Sie verstehen sich ganz ausgezeichnet. Er heißt Gordon Bleu und „sein Vater war Französin“ wie
Dr. Rainer Text gewußt haben will, der im Sommersemester an der ehemals größten Universität Europas in Cluny lehrt, von der leider nur noch die Turnhalle erhalten ist.

Gordon Bleu mag weder Pommes frites noch Möhren, auch wenn viele das von ihm denken. Aber Cola und den Geruch einer Currywurstbude, weswegen er, Gordon, und Will, Future, sich auch gleich sympathisch waren. Äußerlich würde man das erstmal gar nicht denken, denn Will trägt Jeans und Turnschuh, während Gordon Cordhosen anhat. Ein eleganter Gentleman, dachte ich für den Moment. Die girls und boys fliegen auf ihn, sogar einige criminal queers. Darin sonnt sich Gordon freilich gern, der alte Lebemann. Niemanden würde es wundern, wenn er sich als ausgesprochen guter Tänzer oder Kegler zu erkennen gäbe.

Und auch der hemdsärmelige Will mit dem zukunftsträchtigen Namen wird noch völlig überraschend gegen Ende des Buches einen Rekord für die Ewigkeit auf der Kegelbahn im Kellergeschoß des imposanten Landgasthofes aufstellen, einen sogenannten Dreizehnerpasch, doch dazu später mehr.

Er trägt also einen sehr passenden Namen. Glückwunsch an die Eltern, besonders an den Vater, Roy de Janeiro, daß er entgegen aller Anfeindungen den Namen seiner Frau annahm, als beide sich auf einer unvergesslichen Doppelhochzeit das Jawort gaben. Das zweite Paar und deren Familie hatten sie vorher und nachher nie gesehen, doch angesichts dieser peinlichen Doppelbelegung der Kapelle, zu der es gekommen war, weil auch der andere Bräutigam Roy de Janeiro hieß, ein eben sehr gewöhnlicher Name zu dieser Zeit, war es noch ein ganz schöner Nachmittag geworden.

Will, man hört es ja schon, war Amerikaner, der hier seit einem Jahr stationiert war. Er arbeitete als Fliesenleger und das schon seit fünf Spielzeiten im ortsansässigen Lichtspielhaus. Gordon hatte er dort auch kennen gelernt, wie man eben irgendwann ins Gespräch kommt, wenn man Abend für Abend nebeneinander am Pißbecken steht. Da spielt es keine Rolle, daß der eine fliest und verfugt, der andere dagegen einfach nur kokst.

Erst viel später sollte dabei der Leser erfahren, daß Gordons Koks in Wirklichkeit Puderzucker war, den er noch dazu – und er hatte dies lange einstudiert – nur bis in den gerollten Geldschein einsog, weil er es haßte zu schnupfen. Den Hunni steckte er dann immer schnell ein und wenn es nicht, wie bereits erwähnt, bei besagtem Ich-bin-ein Elephant-Spiel so aus seiner Hosentasche gestiebt hätte, wäre vermutlich nie jemand hinter sein dunkles puderzuckernes Geheimnis gekommen.

Glücklicherweise war Gordon zu cool, um peinlich berührt zu sein. Ich wollte gleich noch backen, kommentierte er staubtrocken. Au ja, aber ohne Rosinen!, sagte die Kassenverkäuferin, die aus dem elephantenförmigen Ticketschalter des Zoos herüberwinkte. Ich hasse Rosinen!, rief da schon der erste und schon eine halbe Stunde später skandierten alle Beteiligten: Tod den Rosinen!

In der FAZ stand, daß Eric Rohmer an meinem Geburtstag gestorben ist. Doch wußte dies keiner der Protagonisten und auch der Leser kennt weder meinen Geburtstag, noch Eric Rohmer. Es traf sich also gut, daß hier dieser Artikel an der Wand des Aquariums angepinnt war. Beim nächsten Parisaufenthalt würde Will auf jeden Fall französische Filme kaufen, vielleicht sogar das Geburtshaus von Gordons Vater, geborener de Janeire aus Val-de-Marne, besuchen.

Dieser hatte sich jahrelang nicht vorstellen können, sich je zu vermählen oder fortzupflanzen, sich dann aber, nachdem er einige Romane und Filme angesehen hatte, in die Ticketverkäuferin des Zoos von Val-de-Marne heftigst verliebt und deren Schwester geheiratet – auch hier war es bei der Trauung zu einer Verwechslung gekommen, mit der aber alle, besonders die Familie Bleu, gut leben konnten, weil im Speziellen die Eltern von Gordons Mutter fanden, daß Arthur de Janeire, wegen seiner frappanten Ähnlichkeit mit König Arthus oft nur Roi genannt, nicht gut genug für ihre Tochter, also Gordons Tante, war und viel besser zu deren intelligenteren Zwillingsschwester paßte, auch weil sie deutlich größer als ihre Schwester war, vor allem aber, weil der Tradition, daß Braut und Bräutigam sich vor der Trauung nicht sehen dürfen, geschuldet das grüne Kleid Gordons Mutter besser zu Rois grünem Anzug paßte als der türkisfarbene Hosenanzug ihrer Schwester.

Gordon war damals erst zwei Jahre älter als Will morgen wird, und konnte sich kaum noch erinnern an die Trauung, außer daß der Photograph extra noch einen Schwarzweißfilm an der Tankstelle holen mußte, damit man alle auf ein Bild nehmen konnte ohne sämtliche Gesetze der Optik zu verletzen (es sei noch einmal an das viele Grün und Türkis erinnert). Dafür setzte sich Gordons Großmutter, Claire Bleu d.Ä., denn seine Mutter hieß ebenfalls Claire, vor allem ein, weil sie den größten Teil ihres Berufslebens, insgesamt fast drei Jahre, bei Kolibri arbeitete, Kontaktlinsenbrillen, einem Optiker, der sich streng ans Gesetz hielt. Gordons Großvater, Foncé Bleu, geborener Rouge, haßte den Besitzer des Kolibri, weil er auch nach allen gerichtlichen Urteilen, die gegen ihn sprachen, die ihm sogar eine vierjährige Freiheitsstrafe auf dem Monte Christo eingebracht hatten, davon überzeugt war, daß Monsieur Oberkampf, so hieß der Optiker nämlich wirklich, auch wenn ihn alle Welt Señor Kolibri nannte, den Namen seiner Buchhandlung libri&co gestohlen hatte, die schon wenige Jahre später schließen wird.

Aufgaben

Beantworten Sie ZWEI (oder DREI oder ALLE) der folgenden Fragen!

1. Skizzieren Sie die Konstellation aller auftretenden Figuren.

2. Unterstreiche farbig (zum Beispiel grün) alle Verbformen der 3. Person Plural Plusquamperfekt und bestimme deren lateinische Infinitive.

3. Gehen Sie auf den Hof und machen Sie, wenn Sie ein Junge sind, 20 Liegestütze. Wenn Sie ein Mädchen sind: 19. Wenn Sie sich nicht entscheiden können / wollen: entweder 19 Liegestütze mit Hosen oder 20 mit Rock.

4. Male ein Bild von Will Future.
a. Welche Informationen gibt dir der Text? Was mußt du selbst hinzufügen?
b. Inwiefern kann dir das Internet dabei helfen? Erstelle eine Pro-Kontra-Liste zur Nützlichkeit und Seriosität von Informationen aus dem Netz. Geht von ihnen eventuell sogar eine Gefahr aus?
c. Beziehe in deine Überlegungen Roland Barthes Konzept vom Tod des Autors bzw. die Rolle des Lesers im postmodernen Textverständnis ein.

5. Erstellen Sie ein Marketingkonzept für ein Standesamt im kleinstädtischen Bereich, sodaß es gut ausgelastet, aber niemals doppelt belegt ist.

6. Singe ein Lied, in dem die Worte Weihnachtsmann, Vogelhochzeit und highway vorkommen.

7. Einer der Kunden im Kolibri klagt über ständige Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen.
a. Diagnostiziere seine Krankheit unter Berücksichtigung der Tatsache, daß seine Frau die Gicht hat.
b. Hat der Kunde Anspruch auf Entschädigung vom Optiker Oberkampf, weil dieser ihm vor sechseinhalb Jahren eine falsche Brille verkaufte, sodaß der Kunde nun berufsunfähig ist (er hat eine Ausbildung zum Kosmonauten abgeschlossen)?

8. Welche Zeitform folgt im Hauptsatz eines englischen Conditional sentence, wenn im if-clause Präsenz steht?

9. In welcher Zeit spielt die Geschichte? (Hinweis: Roy de Janeiro als zeittypischer Name.) Ordne sie in die kunst- und weltgeschichtlichen Kontexte ein, unter spezieller Berücksichtigung der aristotelischen Poetik und ihrer Rezeption im 17. Jahrhundert sowie der Folgen des Ersten Punischen Krieges auf die Wirtschaft in Vorarlberg (Österreich). Ist der Text zeitkritisch oder eine Erscheinung des Pop bzw. reaktionär oder fortschrittlich?

10. Zeichne die Aufstellung der Kegel beim Kegeln auf. Wieviele Kegel muß man entfernen, damit noch so viele Kegel da sind, daß man die dritte Wurzel ihrer Anzahl ziehen kann ohne eine nichtnatürliche Zahl zu erhalten?

11. Sammle im Wald drei Blumen, die du einer Braut schenken würdest. Klebe sie in ein Heft und beschrifte ihre Teile.

12. Stelle dich kurz auf Französisch vor, bedenke aber, daß dein (imaginäres) Gegenüber nur schlecht französisch spricht und eventuell auf Englisch nachfragt.

13. Erstellen Sie ein Motivationsschreiben, indem deutlich wird, warum Sie ausgerechnet von diesem Korrektor 8 Creditpoints wollen.

(Arbeitszeit: 380 Minuten; Hilfsmittel: graphikfähiger Taschenrechner, Stowasser, bilinguales Handelsregister, Stethoskop

Bitte senden Sie den ausgefüllten Fragebogen, alle Skizzen und „Schmierzettel“ sowie das Photo für Aufgabe 2 an: willfuture@rocketmail.com

Das Ergebnis des Tests erhalten Sie umgehend, jedoch spätestens bis zum 15. des Folgemonats sofern dies kein Mittwoch oder ein Schaltjahr ist. Einige Tage später erfahren Sie dann auch, ob Sie zur mündlichen Prüfung zugelassen werden.

Viel Erfolg!)

Kommentare:

  1. ... mich deucht die Beziehungen waren inzestuös. Aber die Fragen sind gut!

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  2. ... sie freue sich sehr, endlich zu wissen, dass es Wills Kopfkino ist, das sie zum grinsen bringt.
    (Uschi zitiert gern StudiVZ-Gruppen im Alltag)

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  3. ... er begrüße indirekte Rede an dieser Stelle sehr. Ganz direkt hat er jedoch gefragt: Uschi? Oder bist du's Spam? Ich sage immer StudiVotze und keiner merkt's, ist seine Lieblingsgruppe, die er leider nicht im Alltag zitieren kann, auch nicht im All, weil er nicht dort ist. Grinsen findet Will gut bis sehr gut. Kopfkino und Uschi erinnert ihn daran, daß er neulich Marie Bäumer in Paris sah.

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  4. Eine kleine Frage von dir, Will, kommt mir aus eigener Feder sehr bekannt vor. Die Verknüpfung dieser Frage mit der Identität von Uschi Krause und einem ebenfalls sehr bekannten Nachnamen (abgesehen von dem kleinen Rechtschreibefehler am Ende), führt mich dazu, eine Verwandtschaft mit Uschi abzustreiten.
    Vielleicht stand gar keine Unklarheit im Raum, aber falls doch, ist sie soeben verpufft.
    Es grüßt lila aus dem grünen herzen...

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  5. sie sei zutiefst erschüttert, mit dem alten und hässlichen Spam verwechselt wurden zu sein (obwohl sie sich heute morgen extra rasiert hat) und hofft, Will in Zukunft mit offeneren Augen durchs Leben laufen zu sehen.
    Bis bald, Uschi

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  6. Uschi, hat er gesagt, Uschi, du bist ein komischer Vogel. Ein Kommentar zu einer Zeit, die aber sowas von unchristlich ist (hat das Internet überhaupt um acht schon offen?) und dann noch eine Rasur davor.. Verrückt, Uschi! Aber immer wieder gern.

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  7. es ist wirklich peinlich. wie können in einem wissenschaftlichen text solche dermaßen großen fehler auftreten. es sollte doch nun wirklich jedem bekannt sein, das der weltweit berühmteste turnhallenforscher (R.Text, Die Turnhalle von der Antike bis in die Postmoderne, Hann-Münden 1969.) mit einem AI geschrieben wird. rAIner Text. so schwer ist das nun auch nicht.

    p.s.: die antwort auf frage 5 ist: albama

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  8. Herr Text, bitte Entschuldi-Gänse.
    Der verantwortliche Redakteur wurde selbstredend entlassen, nachdem er seinen Fehler ausgemait äh ausgemärzt hat. Ich würde Sie jedoch bitten, in Zukunft Ihren Ton ein wenig zu zügeln, ansonsten kann ich, Will Future, nicht länger dafür garantieren, daß ihr falscher Doktortitel nicht zur Sprache kommt. Des Weiteren verstehe ich Ihre (wiedermal) kryptische Antwort auf Frage 5 nicht und kann sie auch in dieser Form nicht in die Bewertung einfließen lasse. Lobend möchte ich noch Ihre hirnrissigen Links erwähnen, andere sollten sich ein Beispiel daran nehmen.
    Mit sportlichem Gruß.

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