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Mittwoch, 2. Februar 2011

Zwischen Beeren und Bieren. Herr Regener im Gespräch

Sven Regener: “Wichtig ist, dass man diese Beeren hier noch in Zucker tauchen kann. Diese ganzen Mütter, die ihren Kindern über die Erdbeeren keinen Zucker mehr streuen, machen einen Fehler meiner Ansicht nach.”

Frank Klötgen: “Das klingt nach einer streitbaren These.”

“Erstmal ist es eine Scheiß-Kindheit ohne Zucker – der macht nämlich Spaß! Bloß, weil man selbst eine Essstörung hat oder Angst, zu dick zu sein, muss man nicht sein Kind auf diesen Trip bringen. Und zweitens sollen sich Kinder einfach ab und zu die Zähne putzen, dann hat man das auch mit den Karies im Griff. Kinder brauchen Zucker, ist ganz logisch. Die lieben das Süße ja nicht ohne Grund, sondern weil sie dauernd Brennstoff brauchen. Kinder haben ja ein viel schlechteres Oberfläche/Inhalt-Verhältnis.”

“Mir wurde hier schon gesagt, dass wer Früchte mit Zucker isst, ein falsches Geschmacksverständnis hat.”

“Das ist totaler Blödsinn. Kulturbanausen. Zucker ist letztendlich nur eine Art von Gewürz. Auch das ganze Gehetze gegen Natriumglutamat ist falsch. Das ist hochkonzentriert in Parmesankäse oder getrockneten Tomaten drin, ein ganz normales, natürliches Ding. Und Natriumglutamat ist auch nicht einfach nur ein Geschmacksverstärker, sondern ein Gewürz. Knoblauch verstärkt auch nur den Geschmack. Der hat keinen eigenen Geschmack, jedenfalls keinen interessanten. Aber im Essen ist Knoblauch toll, weil er den Geschmack der anderen Sachen hervorhebt – dasselbe gilt für Kochsalz und in geringerer Dosierung auch für Kreuzkümmel und Muskatnuss. Es ist Blödsinn zu sagen, das eine sei “äh!”, weil es Geschmacksverstärker ist, und das andere gut, weil es ein Gewürz ist. Das sind alles Gewürze!”

“Diese Interviewreihe hat mich ja erst in den Besitz dieser breiten Zuckerkollektion gebracht. Bislang haben aber auch alle ordentlich ihre Beeren eingetaucht.”
“Das Problem ist, wir haben es in diesem Gebiet mit vielen Vorurteilen zu tun. Viel beruht da auf Essstörungen und Phobien, was ja auch in Ordnung ist, aber man darf das nicht verallgemeinern und dann Regeln für alle Leute aufstellen. Wie zum Beispiel Zucker: Natürlich ist es Quatsch, wenn ein alter Sack wie ich sich den ganzen Tag mit Zucker vollstopft. Aber es ist genauso Quatsch zu sagen, diese Erdbeere dürfe unter keinen Umständen in Zucker getaucht werden, sonst fallen wir alle tot um. Es muss doch irgendwo die Möglichkeit geben, einigermaßen durch die Mitte zu segeln. Was haben wir da? Vanillezucker?”

“Genau. Daneben das ist Kornblumenzucker.”

“Erinnert mich von der Farbe her an die kandierten Veilchenblüten von der Bäckerei Demel in Wien. Schmeckt auch so ähnlich. Und das Dritte ist Kokoszucker, richtig? Ich muss sagen, bei dieser Beerenkollektion gewinnt natürlich die klassische Erdbeere! Denn je älter man wird, desto weniger mag man die Himbeere und Brombeere. Weil im Alter die Zahnlücken immer weiter werden – um so leichter bleiben diese komischen Kerne dort stecken. Aber die Erdbeere hat Kerne, die sind irgendwie ok.”

Ja… Irgendetwas Schlaues habe ich neulich mal über die Kerne der Erdbeere gehört…”

“Mir hat vor Kurzem mal jemand erzählt, die Erdbeere sei eigentlich eine Nussfrucht. So wie der Pappelbaum eigentlich eine Birke ist und so weiter. Der ganze Quatsch.”

Dienstag, 11. Januar 2011

Oft ist dies der Anfang vom Ende: Hinfliegen - Oberschenkelhalsbruch - Bett - Lungenentzündung - Tod! Sei Dir dessen bewußt! -
Weihnachten liegt keine drei, Silvester keine zwei Wochen hinter uns, da haben wir auch diesmal - em grande tradiçaõ sozusagen - keine Kosten und Mühen gescheut, auf eine umfangreiche Geschenkesendung zu verzichten! Mal Hand aufs Herz! Du hast doch schon alles! Was willst Du denn noch?! Gerade Du müßtest wissen, welche Kraft in Worten und Gedanken steckt!

ich hoff nich, dass ich mich irre. meistens tue ich das – also hoffen, mich zu irren – aber dann kommt es doch so, wie vorhergesehen. wie dem auch sei: herzlichen glückwunsch zum silbernen leben.

zu deinem freudentag wünsche ich dir alles GUTE RUTE UTE. vor allem ein langes, gesundes und erfolgreiches leben mit deiner frau, auch ohne gottes segen regen egen. ich hoffe natürlich das sich unsere wege noch des öfteren kreuzen, reuzen, euzen und/oder gemeinsam verlaufen werden erden rden. schon aus dem grund um dir dein addidas t shirt zurückzugegeben geben eben, welches ich unbedachterweise in meinem sack verschwinden ließ ieß iis.

vielen Dank Herr Storchi*. Termin wird sofortig notiert und wahrgenommen!!
PS: Waltraud Storchi*, der Name
Gruß Walter*

et donc alles gut zum geburstag. Amusez vous bien avec Walter Storchi* ce soir si t'as décidé de fêter ça, peut-être une soirée moustache & quartet (excellent jeu de cartes, une bonne idée de cadeau)

hey hey alles gute dem immer reifer und schöner werdenden geburtstagskind ;-) wünscht dir die ganze storchi* sippe !

wie sagte schon die große band pur: ein graues haar wieder geht ein jahr

Stichwort Fanpost. Allen Damen und Herren Storchi* sei herzlichst gedankt.





















Für diese Hardwaregrüße geht besonderer Dank an Herrn Storchi*, der mit diesem Motiv wohl genau den Geschmack von Herrn Storchi* getroffen haben dürfte.

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*Namen von der Redaktion geändert

Montag, 10. Januar 2011

»SIE NANNTEN IHN WALTER STORCHI«
Eine Western Trilogie

I
Showdown-Time in Tombstone-City,
Walter Storchi steht am Schatten.

Quietschend öffnet sich das Hoftor,
Walter Storchis Hand fährt aufwärts.

Licht schraffiert sein Gegenüber,
Walter Storchis Finger spannt sich.

Lippen klaffen, bartumstoppelt:
»Walter, komm sofort nach Hause!«

Kreischend dreht sich träg das Windrad,
Storchis Hand erscheint im Lichtfeld.

Hand greift Hand, da schreit es gellend:
»Na, wo bleibt ihr denn, ihr beiden?«

Showdown-Time. High-Noon. Das Licht gleißt.
Und bei Storchis gibt es Hammel.

II
Wer tritt die Tür zur Ox-Bar ein?
Das kann nur Walter Storchi sein.

Wer zieht blitzschnell den Colt heraus?
Das sieht verdammt nach Storchi aus.

Wer ruft: »Heb deine Flossen, Mann!«?
Das hört sich sehr nach Storchi an.

Wer hat dann keine Munition?
Na, wer denn wohl! Na, wer wohl schon?

III
Seinen allerletzten Fight
kämpfte er zur Kaffeezeit.

Walter Storchis letzte Bitte:
»Stell dich endlich, Käseschnitte!«

Walter Storchis letzte Worte:
»Wehr dich, feige Sachertorte!«

Walter Storchis letzter Satz:
»Mary, wein nicht, wenn ich platz!«

Walter Storchis Grabinschrift:
»Daß es stets die Dicksten trifft!«

Robert Gernhardt (in: Körper in Cafés)

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Der nächste Angriff auf die Charts: Adolf Jarisch hat endlich sein Debüt fertig!
Ab 10.1. im Kühlregal!

Dienstag, 21. Dezember 2010

Frau Adriani weinte. Es klang, wie wenn jemand auf einer kleinen Kindertrompete blies, es war mehr eine Art Quäken, was da herauskam, ganz leise, bei völlig trockenen Augen - so machen die kleinen Gummischweinchen, wenn sie die Luft von sich geben und verrunzelnd zusammenfallen.

Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm.
Na - und - ?

Nüchs.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Der Nachmittag an sich ist ein Zeitraum, der im Tagesverlauf so etwas wie die Ferienzeit im Jahresverlauf ist.

Kerstin Küchler: In der Warteschleife. L’ennui als utopischer Spielraum der Liebe in den Filmen von Eric Rohmer. In: Uta Felten (Hg.): Eric Rohmer. Filmkunst zwischen Liebe und Lüge. Edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag. München 2010, S. 101.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Der Nasenbär sprach zu der Bärin:
»Ich will dich jetzt was Schönes lehren!«
Worauf er ihr ins Weiche griff
Und dazu »La Paloma« pfiff.

Die Dächsin sprach zum Dachsen:
»Mann, bist du gut gewachsen!«
Der Dachs, der lächelte verhalten,
denn er hielt nichts von seiner Alten.

Der Förster, der grad Möhren dörrte
und dabei ein Röhren hörte,
sprach: »Wer den Hirsch beim Röhren stört,
der eben in den Föhren röhrt,
dem schlag’ ich meine Möhren
achtkantig um die Ohren.«

Der Bär schaut seinen Ziesemann
nie ohne stille Demut an.

Der Mops hat seinen Zeugungstrieb
ganz schrecklich gern und furchtbar lieb.

Das Vorspiel nahm den Hengst so mit,
daß er geschwächt zu Boden glitt.

Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Zu Nachtzeit faßt der Kormoran
zu gern die Kormoranin an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Der Kragenbär der holt sich munter
einen nach dem andern runter.

Der Pelikan steht wie gelähmt,
nie hat ihn jemand so beschämt,
wie jener feiste Kolibri,
der ihn des Pubertierens zieh.

In Köln, da können sich die Dohlen
selbst auf dem Dom ein Liebchen holen.

Zum Adler sprach die Gabelweihe
daß sie auf seinen Nabel speie,
nähm’ er nicht sofort seinen Schnabel
aus ihrer frischgekämmten Gabel.

Im Kurbordell von Königstein
ist jeden Samstag Tanz.
Dort treten sieben Mäuschen
ohn’ Unterlaß und Päuschen
der Katze auf den Schwaha,
der Katze auf den Schwanz.

Der Schäfer, der betrübt entdeckte,
Daß sich sein Hund aufs Leitschaf legte,
Verhieß ihm barsch die Todesstrafe,
Falls er nochmal ein Schaf beschlafe.

Der Liebe zwischen Fuchs und Schwan
Haftet ein stiller Zauber an.

Der Löwe schleicht ins Freudenhaus
Und klopft sich dort die Eier aus.

Die Heringsfrau, die sprach versonnen:
»So ein Wal wiegt siebzig Tonnen!«

Dem Sperber leiht der stolze Aar
Nur ungern sein Patentpessar.

Die meisten Schweineigel wohnen
Rund um die erogenen Zonen.

Seit jener selbsterdachten Stellung
Hat Meister Stier die Schienbeinprellung.

Bis auf das süße Lustgefühl
Läßt den Kauz der Beischlaf kühl.

Der Tausendfüßler sprach beklommen:
»Ich glaub, ich hab mich übernommen!«
Und dann stieg er, so schnell er konnte
Von jener Kuh, die sich g'rad sonnte.

Animalerotica
(Robert Gernhardt, F.W. Bernstein und F.K. Waechter)

Mittwoch, 1. Dezember 2010


Sechzigtausend
Dollar für
Dübelschrauben
finde ich ziemlich viel.

Dienstag, 21. September 2010

Live-Poesie aus Dresden:

Dynamo etwas von der Rolle, der Ball aus heiterem Himmel im Tor einschlug.

Dienstag, 7. September 2010

Presseschau

1


















2


Montabaur. Die Beamten der Autobahnpolizei Montabaur erleben manch kuriose Geschichte: Jetzt mussten sie eingreifen, als sich eine 19-Jährige und ihre 21-jährige Lebensgefährtin auf der A 3 in einem Auto prügelten.

Die beiden Frauen aus Baden-Württemberg hatten sich während der Fahrt von einem Bikertreffen im Raum Siegburg in die Haare bekommen. An der Anschlussstelle Montabaur konnte das Fahrzeug angehalten werden.

Es stellte sich heraus, dass die 19-jährige Anzeigenerstatterin zuvor einen Gangbang (Gruppensex) ausgeschlagen hatte, den ihre Lebenspartnerin organisiert hatte. Dafür sollte man 120 Euro erhalten. Nachdem die 19-Jährige die Einladung zu diesem Event abgelehnt wurde, wurde die Heimfahrt mit schlechter Laune angetreten.

Der Zorn der Lebenspartnerin - sie saß auf dem Rücksitz - entlud sich: Die 21-Jährige verpasste ihrer auf der Beifahrerseite befindlichen Lebenspartnerin etliche Faustschläge auf den Hinterkopf, strangulierte sie mit dem Sicherheitsgurt und würgte sie mehrmals mit den Händen. Die Geschädigte wehrte sich ihrerseits durch Kratz-Attacken.

Diese Auseinandersetzung setzte sich über 70 Kilometer (!) hinweg fort. Der mitreisende Dobermann der Angreiferin wollte dabei unterstützend tätig werden und sprang dem Fahrer auf den Schoß. In der weiteren Folge bekam sich der Hund auch noch mit einem im Fußraum sitzenden Baby-Katze in die Wolle.

Der Fahrer geriet bei all den Kapriolen mit dem Wagen ins Schlingern und wäre beinahe mit einem links von ihm fahrenden Lkw kollidiert. Daraufhin verweigerte er die Weiterfahrt. Gegen die zwei Damen wurden Strafanzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Bedrohung gestellt.



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Jens Jessen über den kostbaren Moment des Minigolfspiels, bei dem selbst die Obamas ausflippen











© Susan Walsh/AP

Die Obamas beim Minigolfen

Minigolf wird unterschätzt. Kinder werden unterschätzt. Minigolf ist schwieriger, als die meisten denken, und Kinder sind geschickter, als die Erwachsenen glauben. Die Eltern, die gewohnheitsmäßig die Schwierigkeit von Minigolf und die Geschicklichkeit ihrer Kinder unterschätzen, werden aber auch unterschätzt. In einem kostbaren Moment klarer Erkenntnis (oder alberner Affenliebe zu ihrer Brut) sind sie durchaus in der Lage, die überragende Geschicklichkeit ihrer Kinder beim Minigolfspiel zu sehen und entsprechend zu würdigen. Unser Bild hält diesen kostbaren Moment fest. Der amerikanische Präsident Barack Obama und seine Frau Michel Obama geraten außer sich vor Begeisterung – sie flippen regelrecht aus! – angesichts ihrer Tochter, die soeben den Ball mit einem Schlag ins Loch beförderte. Barack Obama brauchte zwei Schläge, seine Tochter Sasha nur einen. Unglaublich! Tja.

Nun muss man allerdings sagen, dass die zwei Schläge von Papa auch schon nicht schlecht waren. Der amerikanische Präsident versteht offenkundig etwas von Minigolf, wahrscheinlich hat er die Schwierigkeit von Minigolf in seinem Leben noch nie unterschätzt und auch die Fähigkeiten seiner Tochter nicht. Das schmälert vielleicht ein wenig die Außerordentlichkeit des kostbaren Moments. Aber nicht für seine Frau. Sie ist wirklich von den Socken! Wahrscheinlich weil sie es bisher für ihre Aufgabe hielt, die typisch weibliche Skepsis zu verkörpern und jeden ungesunden Überschwang zu dämpfen. Notorisch hat sie ihren Mann, die Tochter, Minigolf, womöglich das ganze Land unterschätzt. Und nun ist der Moment, in dem ihre Skepsis zerbricht. Sie geht vor Dankbarkeit in die Knie.

Tja. Es ist nicht immer schön, recht zu behalten. Es kann auch sehr dankbar machen, widerlegt zu werden. Liebe Eltern! Lasst euch von euren Kindern widerlegen. Das Minigolfspiel des Lebens (denn auch Minigolf ist natürlich nur ein Gleichnis) muss nicht immer scheitern. Wer ewig puttend sich bemüht, dem schenkt der Herr den einen oder anderen kostbaren Moment, in dem selbst Mütter aufhören zu nörgeln.

Mittwoch, 25. August 2010

Nachrichtenproduktion und Nachrichtenrezeption sind selektive Prozesse, die auf Selektivität selektiv reagieren, also Selektivität verstärken.

Georg Ruhrmann: Ereignis, Nachricht und Rezipient. In: Klaus Merten; Siegfried J. Schmidt; Siegfried Weischenberg (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Westdeutscher Verlag. Opladen 1994, S. 255.

Montag, 23. August 2010


Es begann mit einer Swingerparty: Der Historiker Wolfgang Wippermann über das Ende der Ehrkultur im Kaiserreich

DIE ZEIT: Herr Wippermann, für Ihr Buch Skandal im Jagdschloss Grunewald haben Sie einen heißen Fund ausgewertet – eine polizeiliche Aktenmappe voll anonymer, teils pornografischer Briefe...

Wolfgang Wippermann: Diese Briefe sind tatsächlich einzigartig. Sie geben einen ungewöhnlichen Einblick in die Sitten- und Mentalitätsgeschichte der wilhelminischen Gesellschaft, in ihre Vorstellungen von Männlich- und Weiblichkeit und in das, was als sexuell »normal« galt.

ZEIT: Diese Briefe schildern, was man heute eine Swingerparty nennt – und zwar in höchsten Hofkreisen.

Wippermann: Ja, es geht um eine Sexparty, die im Januar 1891 nach einer Schlittenfahrt gefeiert wurde. 15 hohe Angehörige der kaiserlichen Hofgesellschaft waren dabei, darunter eine Schwester Wilhelms II. und einer seiner Schwager. Die Frauen nahmen sich selbstbewusst, worauf sie Lust hatten. Männer vergnügten sich mit Männern.

ZEIT: Dabei gilt die Zeit des Kaiserreichs doch als eine besonders prüde Epoche.

Wippermann: Man war protestantisch und sittsam nach außen. Zugleich wurde, freilich nur den Männern, eine gewisse Freizügigkeit zugebilligt. Einer der Partygäste, der Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, hieß in Hofkreisen nur »Herzog Rammler«. Er war regelmäßiger Puffgänger – wobei auch gemeinsame Bordellbesuche adliger Herren üblich waren. Eines Tages verlor er einen Orden bei einer Berliner Prostituierten. Die Frau brachte das Fundstück brav zur Polizei, die Sache wurde Stadtgespräch.

ZEIT: Was sich jedoch nicht zum Skandal ausweitete, so wie die Grunewald-Party. Warum?

Wippermann: Weil Ernst Günther den Rahmen dessen, was damals toleriert wurde, nicht überschritten hatte. Homosexualität hingegen stand unter Strafe und wurde als ansteckende Krankheit verteufelt. Auch Frauen, die ihre Sexualität selbstbewusst und aktiv auslebten, hielt man für krankhaft veranlagt. Das Skandalon verkörperte sich vor allem in einem Ehepaar, das im Grunewald dabei gewesen war, den Hohenaus. Gräfin Charlotte war bekannt für ihre Affären bei Hofe, auch mit Wilhelm II. soll sie im Bett gewesen sein; ihr Mann war schwul.

ZEIT: Wie kam es, dass die ganze Angelegenheit überhaupt öffentlich wurde?

Wippermann: Nach der Party wurden besagte erpresserische Briefe an die Gäste und andere Mitglieder des Hofes verschickt. Und da die Herrschaften sich die Post von ihren Bediensteten geöffnet vorlegen ließen, fielen dem Personal diese deftigen Texte entgegen samt den pornografischen Bildern, die ihnen beigelegt waren. So machte die Geschichte in Berlin schnell die Runde.

ZEIT: Weiß man, wer diese Briefe verfasst hat?

Wippermann: Nein. Verdächtigt wurde damals einer der Partygäste, der Zeremonienmeister Leberecht von Kotze. Er war eine auffällige Erscheinung: Vielen bei Hof galt er als »weibisch« und »fatzkenhaft«, weil er großen Wert auf modische Kleidung legte. Im Zuge recht windiger Ermittlungen brachte man ihn hinter Gitter. Wilhelm II. hatte seine Verhaftung angeordnet – wozu er nach geltendem Recht gar nicht befugt war! Doch es wurden weiterhin Briefe verschickt. Kotze kam frei. Er kämpfte nun um seine Ehre, indem er die Männer, die ihn als »weibisch« verleumdet hatten, zum Duell forderte. Der Sittenskandal entwickelte sich zu einem Skandal um Ehr- und Männlichkeitsrituale.

ZEIT: Gehörte es nicht, wie es Ihre Kollegin Ute Frevert eindrucksvoll dargestellt hat, zum Alltag, dass sich »Ehrenmänner« duellierten?

Wippermann: Eigentlich war es verboten, jeder wusste das. Dennoch schoss man weiter aufeinander. Ging die Sache böse aus, erwartete den »Mörder« eine kurze, milde Festungshaft; weigerte der Aufgeforderte sich, galt er als Feigling und wurde zum Beispiel aus dem Offizierskorps ausgeschlossen. So warf Kotze gleich drei Männern, die sich nicht bei ihm entschuldigt hatten, den Fehdehandschuh hin. Mit einem von ihnen kam es zum Duell. Kotze wurde verletzt. Aber er hatte seine Männlichkeit bewiesen. Kaum genesen, wurde er dann seinerseits zum Zweikampf gefordert. Kotze jedoch lehnte ab. Die Geschichte ging vor ein Ehrengericht; schließlich griff Wilhelm II. persönlich ein und ermöglichte es seinem Zeremonienmeister, sich erneut zu duellieren – was dieser auch tat, und zwar mit dem Mann, dessen Aufforderung er zuvor abgewiesen hatte. Das Duell endete tödlich. Kotze schoss seinen Gegner nieder, und das alles mit indirekter Billigung des Kaisers. Das war nun wirklich skandalös!

ZEIT: Wurde der Fall öffentlich diskutiert?

Wippermann: Es gab sogar im Reichstag eine Debatte zum Thema, wenn auch ohne verbindliches Ergebnis, und die Presse, vor allem die sozialdemokratische, machte sich lustig. So wurde vorgeschlagen, der Sieger eines Duells solle fortan den Skalp des Besiegten nehmen dürfen und bei zehn Skalpen zur Belohnung ein Rittergut erhalten. Lächerlichkeit tötet! Meine These ist: Durch den Kotze-Skandal wurden die herrschenden Vorstellungen von Männlichkeit und Ehre so stark tangiert, dass man sie letztlich aufgab.

ZEIT: Gab es denn danach keine Duelle mehr?

Wippermann: Die Zahl ging auffallend zurück, und die öffentliche Meinung stellte sich gegen den Kult um die Ehre. Der Skandal markiert den Anfang vom Ende eines hegemonialen Männlichkeitsbildes, des Bildes vom Ehrenmann.

ZEIT: Und was trat an dessen Stelle?

Wippermann: Es gab danach kein hegemoniales Männlichkeitsbild mehr. Großen Einfluss erlangte während des Ersten Weltkrieges allerdings eine Idee, die ich frei nach Klaus Theweleit die atavistische Männlichkeit nennen möchte – der Mann als archaischer Krieger.

ZEIT: Vom Ehrenmann zum Krieger – hatte diese ganze Affäre nicht auch positive Folgen?

Wippermann: Doch, in Ansätzen. Denn als das Image des Ehrenmanns angeknackst war, gab es Luft für neue gesellschaftliche Entwicklungen. Es entstand nun so etwas wie eine erste, zaghafte Schwulenbewegung. Auch die Frauenbewegung meldete sich verstärkt zu Wort.

ZEIT: Welche historischen Ereignisse haben die Ideen von Männlichkeit und Weiblichkeit seither geprägt und verändert?

Wippermann: Ein wichtiger Bruch war der Zweite Weltkrieg. Mit ihm erledigte sich nicht nur endgültig das überkommene Ehrkonzept, sondern auch die Kriegsverherrlichung à la Ernst Jünger. Nach 1945 wurden zwar die angestammten Rollenbilder zunächst restauriert, doch in den Sechzigern und Siebzigern entstanden ganz neue Ideen. Wenn heute in Meldungen über »Ehrenmorde« der alte Ehrbegriff wieder auftaucht, erscheint uns das zu Recht als ein fürchterlicher Anachronismus, den man weder tolerieren darf noch kann.

Die Zeit, 19/08/2010

Mittwoch, 30. Juni 2010

Ich habe einen Reisegott, und er ist aus Gummi, man kann ihn aufblasen. Er kommt überall mit.

Mit seinem richtigen Namen heißt er ›Zippi Oloron‹ – weil er aus einer kleinen Stadt in Frankreich stammt, die heißt Oloron. Da lag er in einem verstaubten Schaufenster und sah trübsinnig drein, weil sich niemand um ihn kümmerte. Er hatte etwas durchaus Götzenartiges –: er war hellgelb, mit grünen Gesichtszügen, die unentwegt grinsten, als Uniform hatten sie ihm so etwas wie einen Frack der großen französischen Akademie aufgemalt. Auf dem Kopf saß ihm eine spitze, hohe, rote Tüte. Ich kaufte ihn sofort.

Von Oloron habe ich wenig gesehen – ich blies den ganzen Tag Zippi auf. Er hatte es mir gleich mitgeteilt, dass er Zippi hieße, Glück bringe und von Beruf Reisegott sei.

Man konnte ihn auf tausenderlei Weise aufblasen. Man konnte ihn rapide aufpusten, dass wir beide ganz dick vor Anstrengung wurden – auch konnte man ihn andante beblasen, säuselnd sozusagen ... Dann lernte er manches: er konnte, wenn man ihn dazu anhielt, stramm stehen oder die Hände auf dem Rücken verschränken, ach! und dann kamen die beiden kleinen dicken Wurstärmchen wieder nach vorn geschnellt, wenn er es gar nicht mehr aushalten konnte vor lauter Atmosphärendruck.

Zu seiner ganzen Geltung aber kam Zippi erst in Lourdes.

Ich hatte mir über einer Baumwurzel ein Bein aufgeschlagen, und mußte nach Lourdes zurückfahren, um mir von einem richtigen Menschenarzt im Bein herumschneiden zu lassen. Mit der Wunderquelle hatte ich es nicht so im Sinn ... Der Arzt, ein tüchtiger pieksauberer Mann, schnitt, verband und packte mich für zehn Tage ins Bett. Zippi immer mit.

Da regierte er den ganzen Laden. Er stand auf dem Kopf, las alles mit, bekam zu essen und machte alle seine Kunststücke auf einmal. Nachts kuschelte er sich unter das Bettdeck, und einmal wäre er um ein Haar in den Verband mithineingewickelt worden. »Was ist denn das –?« sagte der pieksaubere Doktor. »Das ... eh ... das ist eine Puppe!« sagte ich. (Was eine Gotteslästerung war. Zippi ist keine Puppe.) Der Arzt sah mich scheu von der Seite an, ob mir vielleicht auch noch andere Pflege not täte. Nein, danke.

Zippi bringt Glück auf der Reise – das ist erwiesen. Gepäck, das mit dem Zuge nicht mehr mitkommen kann, weil es – immer mal wieder – zu spät aufgegeben wurde, kommt auf geheimnisvollen Wegen nachgetrudelt; Züge, die traditionelle Verspätung haben, kommen pünktlich an, und er, der Gewaltige, hat sogar schon einem Mitropa-Kellner anständigen Kaffee entlockt. Da waren wir aber beide sehr stolz.

Zippi fährt nicht gern im großen Schrankkoffer; er wohnt in der Handtasche. Er trinkt nur ein wenig Zahnwasser, sonst benimmt er sich recht manierlich, und auch Opfer will er nicht dargebracht haben, der Gott. Von Zeit zu Zeit nur – ich fühle das in meinem Herzen – will er hinaus. Dann mache ich die Tasche auf und blase den Flachgeglätteten auf. Er darf dann aus dem Fenster sehen. Sind junge Damen im Coupé, so halten sie das für eine höchst dämliche Art der Anknüpfung, und die Luft wird ganz hellkalt, sie sehen mich gar nicht mehr an. Sind es ältere Damen, so erwachen Mutterinstinkte in ihnen, und eine besonders nette, freundliche, alte Dame hat sich Zippi denn auch einmal herüberreichen lassen. Aber er wollte nicht, schüttelte sich, oben fiel der Propf aus seinem Hutzipfel, pfiff! machte es – und die entsetzte Greisin hielt einen weichen Gummilappen in der Hand.

Zippi ist widerstandsfähig und sehr tapfer. Zwischen Basel und Bern habe ich ihn einmal einem schrecklichen Kerl unter den Sitz geschoben, der fuhr auf, wie vom wilden Affen gebissen, und warf Zippi in die Ecke. Ich hob ihn still auf und tuschelte ihm etwas zu – da verließ der Kerl das Coupé und wollte es nicht mehr wissen.

Man kann Zippi auch an die Gasleitung anschließen, doch ist das nicht sehr fein, und er hat es auch nicht gern. Ich drohe ihm manchmal damit, wenn er mir meine Wünsche nicht erfüllt. Er hat maßlose Angst davor: wenn er ganz voller Gas ist, sieht sein Kopf aus wie ein älterer Gummiball, mit leichten Rissen, und sein Gelächter klingt dann krampfhaft, er grinst nur noch vor Anstrengung, nicht aus dem Leim zu gehen. Übrigens kann er so ziemlich alle Sprachen, die wir brauchen: französisch und englisch und schweizerisch und grob – und jetzt habe ich ihm die aufgemalten Zähne wegradiert, nun hat er kein Gebiß mehr, und nun kann er auch dänisch.

Ich bete ihn selten an, wir glauben uns beide das nicht so recht. Er ist zwar als Hausgötze angestellt – aber schließlich bei dem Gehalt ... Es ist ein Gott, mit dem man sich duzt; ich sage, wenn ich in eine fremde Stadt komme, so beim Auspacken: »Na, du – Zippi ... !« und dann grinst er. Wir sind uns zu nahe, um Gläubiger und Gott zu spielen – dazu gehört Distanz. Merkwürdig, wenn man einen Lachenden, wie diesen Zippi, sehr lange ansieht, dann wird das lächelnde Gesicht erst zur Maske, dann zum bemalten Ball, dann unerträglich – und auf einmal ist es ganz ernst. Da gleitet nun alles so an ihm vorüber – unbeweglich bleibt er, wohin lacht der Kerl –?

Ich bin ihm neidisch – er sieht etwas, was ich nicht weiß. Nachts habe ich ihn manchmal heimlich belauscht; einmal lehnte er an der Whisky-Flasche, und ich guckte um die Ecke und sah ihm zu. Vielleicht würde ich es jetzt herausbekommen, worüber er lacht ... Aber als ich fünf Minuten und zehn Minuten gestanden hatte, da sah ich: er hatte mich schon lange bemerkt, grinste vor sich hin und über mich und nach wie vor über sein großes Unbekanntes. Habe ich dich dafür, mit deinen kurzen Batterbeinen, der Katze aus dem Rachen gezogen, sehr vorsichtig und unter frommem Gemurmel? Du Gummigott.

Sieh, wie er lacht! Ja – sei still. Bald wirst du eingepackt, wenn wir hier oben fertig sind, in dem fetten Dänemark, und dann rumpelt es eine ganze Weile, und du wirst ein bißchen von den Zollmännern revidiert – und dann, wenn du aufwachst, wenn du wieder aufwachst, du dummer ewiger Hausgötze: dann sind wir wieder zu Hause, bei dir zu Hause – in Frankreich. In Paris.

Peter Panter: Der Reisegott Zippi. In: Vossische Zeitung, 03/07/1927.

Montag, 7. Juni 2010

Achtung an alle.

Hier kommt ein Musikerwitz:


Ein Schlagzeuger bei der Aufnahmeprüfung an der Musikakademie.

Der Professor spielt ihm zwei aufeinanderfolgende Töne vor: C, dann E.

"Erkennen Sie das?" fragt der Professor.

"Hmm... Kann ich das nochmal hören?"

Wiederum erklingt das C, dann das E.

"Puh... Moment, gleich hab ich´s! Aber lieber noch ein drittes Mal, bitte!"

Der Professor spielt: C, E.

"Ok, alles klar: Klavier!"


ERKLÄRUNG:

Der Witz liegt darin, dass der Prüfling eigentlich die Töne heraushören muss. Aber wie es sich am Ende, also im Bereich der Punchline, herausstellt, denkt der offenbar, er solle das Instrument erkennen! Insgesamt wird kolportiert, dass Schlagzeuger etwas unterbelichtet sind.


Lachen im Postfach.


// Newsletter von Hans E. Platte sind der Hit

Dienstag, 27. April 2010

Leopold Grausam (* 29. Juni 1943 in Pressbaum) ist ein ehemaliger österreichischer Fußballspieler.

Der erste Verein von Stürmer Leopold Grausam war Hellas Kagran, bei dem er von 1953 bis 1956 spielte. Anschließend wechselte er zu seinem Heimatverein SV Pressbaum und kam schließlich 1958 in die Nachwuchsabteilung des SK Rapid Wien. Von Rapid wurde er in der Saison 1962/63 an den SV Philips Wien verliehen, bei dem er in der drittklassigen Wiener Landesliga spielte. Das Debüt im Rapiddress in der A-Liga absolvierte Leopold Grausam gegen den Kapfenberger SV am 10. November 1963 glänzend, denn beim 5:0-Heimsieg erzielte er vier Treffer und erinnerte damit an Rapid-Stürmer Josef Bican, dem bei seiner Premiere selbiges gelungen war.

Mit Rapid war Leopold Grausam in dieser Zeit sehr erfolgreich. Bereits in seiner ersten Saison 1963/64 konnte er österreichischer Meister werden, 1966/67 und 1967/68 kam er zwei weitere Male in den Genuß der gewonnenen Meisterschaft; hinzu kamen noch zwei ÖFB-Cupsiege 1968 und 1969. Leopold Grausam selbst wurde dieser Tage 1967 zu Österreichs Fußballer des Jahres gewählt und durfte bereits am 12. April 1964 unter Béla Guttmann sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft gegen die Niederlande geben. In der EM-Qualifikation '68 schoss Leopold Grausam zwar sowohl den Siegtreffer beim 2:1 gegen Finnland, als auch das Tor beim 1:0 gegen die Sowjetunion, allerdings hatte man in der Gesamtabrechnung letztlich das Nachsehen gegen Letztere.

1970 wechselte er für eine Saison zum FC Wacker Innsbruck, die sehr erfolgreich verlief, denn Leopold Grausam konnte seinen vierten Meistertitel gewinnen. International von sich reden machen konnte er, als er den Siegtreffer beim 1:0 gegen Real Madrid im Europacup der Cupsieger erzielte. Obgleich er mit Rapid zweimal ein Europacuppokal-Viertelfinale erreichte, war dies sein vielleicht größter internationaler Erfolg auf Vereinsebene. Nach einer weiteren Saison 1971/72 beim Linzer ASK ließ Leopold Grausam seine Karriere schließlich in der Schweizer Nationalliga A beim FC Grenchen ausklingen.

In den 1980er Jahren war Grausam als Trainer beim Floridsdorfer AC tätig.

2 x Europapokal-Viertelfinale: 1967 (CC) 1969 (CM)
1 x Fußballer des Jahres: 1967
4 x Österreichischer Meister: 1964, 1967, 1968, 1971
2 x Österreichischer Cupsieger: 1968, 1969
8 Länderspiele und 3 Tore für die österreichische Fußballnationalmannschaft von 1964 bis 1967

Freitag, 12. März 2010

Kaiserpinguine sind für ihr schickes Federkleid bekannt. Nie rutscht der Polarvogel ohne ordentlichen Smoking von der Eisscholle. Doch ein tapferer Artgenosse pfeift auf gesellschaftliche Konventionen und verzichtet auf den gepflegten „Vatermörder“.

Andrew Evans, Fotograf für das Magazin „National Geographic“, staunte nicht schlecht, als ihm der aufmüpfige Geselle in Antarktisnähe vor die Linse watschelte. Die Aufnahme des durch und durch schwarzen Pinguin machte schnell die Runde. Selbst erfahrene Biologen verschlug es beim Anblick des sensationellen Fundes die Sprache. „Die Chance eine solche Mutation zu entdeckten steht eins zu einer Myriade“, betonen die Forscher. Kein Wunder, dass der seltene Vogel im wahrsten Wortsinn auf großem Fuß lebt. „Er ist ein Monster“, scherzt ein Wissenschaftler.

Zwar zeigten mehrfarbige Vögel des Öfteren Variationen, aber, erklärt der Biologe Dr. Alan Baker von der Universität in Toronto, Melanismus sei ein extrem seltenes Phänomen. Bei dem ganz und gar schwarzen Pinguin seien Melanin-Depots an Stellen vorhanden, an denen sie normalerweise in der Natur nicht vorkommen. Gene können für diese Überproduktion des Stoffes, der Fell oder Federn färbt, verantwortlich sein. Aber auch andere Faktoren sind als Ursachen für den ungewöhnlichen Dress des Vogels nicht auszuschließen.
Das Phänomen ist bei Pinguinen so selten, dass es bisher keine Forschungsarbeiten dazu gibt. Wie auch immer – Was die polare Mode-Szene betrifft kann man festhalten: Der „Casual-Look“ steht auch adretten Pinguinen gut zu Gesicht.

Zitiert nach: http://de.news.yahoo.com/34/20100311/tod-von-wegen-schwarzes-schaf-ein-pingui-045b8e8.html, letzter Zugriff: 12 / 03 / 2010.

Den Finderlohn heimste die emsige, zwitschernde Mademoiselle Suzanne ein.